Flakturm, Abstracted

Sebastian Lehner
Flakturm, Abstracted
Vienna, 2019
cardboard, colorful papier-mâché
121 x 79 x 38 cm

 

 

 
 

The sculptural installation Flakturm, Abstracted (2019) concerns Austria’s National Socialist past on the basis of the Vienna flak towers (Flaktürme). It proposes a new way to approach a difficult and dark cultural heritage such as giant, irremovable objects that remind one of Austrian complicity in the horrors of WWII. The Vienna Flaktürme are ideally suited for this dialogue, as their historical relevance is still quite important.

Forced laborers built eight pairs of flak towers during the Nazi regime to complicate the flight patterns of Allied bombers. In addition to air defense, they served as air raid shelters for the local population and as a repository of valuable art and cultural artifacts. The construction of the Vienna Flaktürme began on Hitler’s orders in late 1943. The Third Reich planned on cleaning the flak towers and covering them in marble after their victory, to give the population the feeling of living amongst beautiful castles. Of course, this plan was never implemented. As they have been found almost impossible to destroy, all six of Vienna’s Flaktürme still loom over the city.

Despite the fact that these concrete monoliths occupy prominent positions in the city center, their history has remained largely ignored – much like the structures themselves. There have been multiple proposals as to what to do with these „eyesores;“ but still, the city of Vienna simply doesn’t know what to do with them. This could be interpreted as a strong example of Austrians unable to come to terms with their past.

Flakturm, Abstracted (2019) is a sculpture of the Esterhazypark Leitturm…as a Piñata. Consisting of cardboard and colorful papier-mâché, this piñata is a Flakturm that can be „smashed to pieces“ in a playful act.

Historically, the Piñata originated in China and was brought – via Europe – to Mexico, where it gained popularity. The Piñata represents mankind’s struggle against seduction and originally consisted of a round, clay, hollow body from which seven peaks sprang –– the peaks represent the seven deadly sins, the hollow body symbolizes evil. The person who smashes the piñata, with a stick, wears a blindfold as a symbol of disorientation and temptation.

The sculptural installation Flakturm, Abstracted could be seen as making light of a very serious topic; In the context of the game the „Flakturm Piñata“ debunks the triumph of the totalitarian and may be experienced as an act of liberation. Moreover, it is a thought experiment. Interacting with a piñata – mentally or physically – opens up a testing ground to try and fail and try. One can learn valuable skills to deal with complex issues that can be applied to everyday life.

The „Flakturm Piñata“ makes visible what many ignore and would like to forget. Through Flakturm, Abstracted (2019), tension and resolution are closely combined in a form of active engagement, that represents a society struggling to come to terms with its past.

 

 

 

 
Die skulpturale Installation Flakturm-Abstracted beschäftigt sich anhand der Wiener Flaktürme mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs. Es wird hinterfragt, wie kulturelle Werte aus dem Kontext ihrer Tradition gerissen, und somit ihrer Aura entledigt werden können. Die Wiener Flaktürme eignen sich für diese Auseinandersetzung bestens, da ihre geschichtliche Relevanz nach wie vor von enormer Bedeutung ist.

Acht Flakturm-Paare wurden während der Nazidiktatur errichtet, um den Überflug oder Angriff gegnerischer Bomberverbände zu erschweren. Neben der Luftabwehr dienten sie der Zivilbevölkerung als Luftschutzbunker und als Aufbewahrungsort wertvoller Kunst- und Kulturschätze. Mit dem Bau der Wiener Flaktürme wurde auf Hitlers Befehl um die Jahreswende 1942/43 begonnen. Für die Zeit nach dem Krieg war eine Behübschung der Flaktürme vorgesehen und sollte der Bevölkerung das Gefühl von Ritterburgen („Wehrtürme“) vermitteln, was jedoch nie umgesetzt wurde. Drei dieser Flakturm-Paare stehen nach wie vor in Wien.

Ungeachtet der Tatsache, dass die sechs massiven Stahlbetonmonolithe in der Wiener Innenstadt markante städtebauliche Positionen einnehmen, begegnet man ihnen seit Kriegsende fernab jeder gelebten Auseinandersetzung. Ein Hinweis auf die noch immer nicht komplett aufgearbeitete Rolle Österreichs im 2. Weltkrieg ist der Umstand, dass alle Wiener Flaktürme im Gegensatz zu den deutschen Exemplaren (in Berlin und Hamburg) nach wie vor bedenkenlos ihr Dasein fristen. Der Umgang mit Relikten der NS-Zeit bedarf daher einer stetig subtilen Auseinandersetzung.

Für die die Arbeit Flakturm-Abstracted wurde aus den sechs in Wien errichteten Flaktürmen, jener aus dem Esterhazypark nachgebaut und als Einzelstück in den Raum gehängt. Bestehend aus Karton und buntem Pappmaché ist die Flakturm-Piñata ein, in Materialität und Funktion, abstrahiertes Objekt, welches in einem spielerischen Akt zerschlagen wird. Als Belohnung warten Süßigkeiten, die im Inneren versteckt sind.

Geschichtlich betrachtet repräsentiert die Piñata, welche im 16. Jahrhundert von spanischen Mönchen nach Mexiko gebracht wurde, den Kampf der Menschheit gegen die Verführung und bestand ursprünglich aus einem runden Tonhohlkörper, von dem aus sieben Spitzen ausgingen. Diese sieben Spitzen repräsentieren die sieben Todsünden und der Hohlkörper das Böse. Der Person, die mit dem Stock die Piñata zerschlägt, werden zusätzlich die Augen verbunden als Symbol der Orientierungslosigkeit und der Versuchung.

Im Kontext des Spiels entlarvt die Flakturm-Piñata den Triumph des Totalitären und ist somit ein Akt der Befreiung. Im Spiel übt man darüber hinaus nicht nur Fertigkeiten und Rollen, die anschließend wieder abgelegt werden können, sondern man probt auch den Ernstfall und hält eine emotionale Bereitschaft zu verschiedenen Aktivitäten des Lebens wach. Der künstlerische Spielraum lässt dabei das unbefangene Erproben neuer Zustände und Welten zu.

Die Arbeit Flakturm-Abstracted macht sichtbar, was gerne in Vergessenheit geraten möchte. Anspannung & Auflösung liegen dabei nah beieinander und legen den Konflikt offen, den eine Gesellschaft im Bezug auf seine Vergangenheitsbewältigung mit sich trägt. Die Flakturm-Piñata ist etwas Unpassendes.